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Führung durch das Dorf Steinheim
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Am Sonntag, den 13. September 2009, einen Tag vor dem Fest Kreuzauffindung und eine Woche vor unserer Herbstwallfahrt, fand im Rahmen des Jubiläumsjahres 700 Jahre Steinheimer Kreuzwallfahrt die

Führung durch das Dorf Steinheim

statt, die der Heimat- und Geschichtsverein Steinheim am Main veranstaltete.
Entgegen aller Erwartungen folgten fast 100 Interessierte unseres Pfarrverbandes der Einladung und gingen entlang der Spuren des Dorfes Steinheim von 1500 bis in unsere Tage.
Der 90minütige Spaziergang unter der Leitung von Herrn Dr. Michael Maaser (1. Vorsitzender) und Herrn Norbert Kemmerer begann an der St. Nikolaus-Kirche. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erfuhren, woher überhaupt der bis heute bestehende Konflikt zwischen Groß- und Klein-Steinheim stammt und dass die Ursprünge der Stadtpfarrei in der Pfarrei des Dorfes Steinheim liegen. Bis Stilllegung des Alten Friedhofs im Jahre 1874 diente er als Begräbnisstätte beider Pfarreien.
Das Dorf, das mit seinen 29 Häusern entlang der Kirchstraße verlief, umfasste 1567 ca. 140-150 Personen. Erst in der zweite Hälfte des 19. Jhds. stieg die Klein-Steinheimer Einwohnerzahl auf über 1000 Einwohner, 1933 waren es über 3000.
Die Statue des Heiligen Nepomuk an der Ecke des Alten Friedhofs stand zuvor an der gegenüberliegenden Ecke neben einer großen Kastanie.
Der Kreuzweg von 1914, der auf dem Alten Friedhof angebracht wurde und sich heute in der Kreuzkapelle befindet, besitzt keine Bildtafel zur 12. Station. Aus unbekannten Gründen nahm schon zu seiner Errichtungszeit ein Kreuz des Friedhofs deren Platz ein (wir können es heute an der Wand zur Molitorstraße, zwischen Bruder Konrad und der Nepomukstatue, sehen). So zählt man in der Kreuzkapelle auch nur 13 Bildtafeln.
Kennen Sie die Symbolik der St. Nikolaus-Kirche? Herr Kemmerer hat sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erläutert. Dass sich der Mensch sich in der Liturgie zwischen Himmel und Erde bewegt, wird ausgedrückt im rotbraunen Sandsteinfußboden und dem blauen Deckengewölbe mit den symbolischen Sternen. Das Geheimnis unserer Glaubens stellt der Altarraum symbolisch und bildlich dar:
Das große Kreuz soll sagen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir“ – das Mittelfenster in der Apsis drückt aus: „und deine Auferstehung preisen wir“, indem es einen Lebensbaum zeigt – die Figur des wiederkehrenden Christus im Triumphbogen steht für die Zeilen „bis du kommst in Herrlichkeit“.
Auch die literarische Seite Steinheims erläuterten die beiden Historiker. Die Schriftstellerin Elisabeth Langgässer (1899-1950) arbeitete seit 1920 als Lehrerin der heutigen Theodor-Heuss-Schule und lebte in einer heute nicht mehr existierenden Dachwohnung des Eckhauses Molitorstraße/Uferstraße. Während ihrer Steinheimer Zeit begann ihr literarisches Schaffen. Auch der Schriftsteller Ferdinand Runke nimmt in seinem Roman „Die Höllenhütte“ Bezug zu Steinheim und der Umgebung.
Ist ihnen bekannt, warum der Umbau eines Hauses in der Kirchstraße schwierig werden kann? Die Kirchstraße steht als Gesamtareal unter Denkmalschutz. Ein Umbau könnte das Gesamtbild beeinträchtigen.
Die Mainterrasse war als Abtshof des Klosters Seligenstadt errichtet worden. Die noch heute erhaltenen Keller mit mächtigen Gewölbedecken dienten der Lagerung für die Angaben an den Seligenstädter Abt. Während seiner Zeit als Lokal kamen die in Hanau stationierten Soldaten verschiedener Regimente in die Mainterrasse, wo das Thüringische Ulanenregiment Nr. 6 die schmuckesten Uniformen aufwies und daher den absoluten Schwarm der weiblichen Besucher bildete – nach genügend Alkoholkonsum waren Schlägereien zwischen den verschiedenen Regimenten nicht selten… In demselben Lokal besuchte auch Adolf Hitler 1939 die hier stationierte Einheit „List“.
Kennen Sie das Steinheimer Badehaus? Ja, auch so etwas hat Steinheim zu bieten – unter dem Lokal „Nizza“ hinter der Steinheimer Brücke. Dort wurde im 19. Jhd. bei Niedrigwasser des Mains ein römisches Badehaus entdeckt und in mehreren Grabungskampagnen freigelegt. Da es unter Privatgrund liegt, musste es wieder zugeschüttet werden. Herr Kemmerer träumt von einer Freilegung und Nutzung als Freilichttheater – wo sonst gäbe es so etwas in der Umgebung? Über dem keltisch-römischen Friedhof ist mittlerweile Gras gewachsen, das Gras der Mainwiesen in Richtung Landstraße.
Wo heute die Steinheimer Brücke steht, befand sich der Floßplatz, wo via Main Holz angeliefert bzw. abtransportiert wurde. Das durch Fahrrad und Automobil boomende Unternehmen Dunlop wollte ihn 1903 erwerben, doch die Steinheimer Verwaltung lehnte ab – nach Herrn Kemmerers Ausführungen erwies sich dieses Verhalten im Nachhinein als richtig: Steinheim wäre dadurch als potentielles Ziel alliierter Bombenangriffe während des II. Weltkriegs angesehen worden. Nicht auszudenken, was dann mit unserem Ort passiert wäre…
Da der Steinheimer Bahnhof nicht in Großsteinheim angelegt werden konnte, kam er nach Klein-Steinheim. Dadurch – so Dr. Maaser – verarmte Großsteinheim und Klein-Steinheim florierte. Kleingewerbe siedelten in der Nähe des Bahnhofs. Bis zur Sanierung wohnten in der Altstadt Großsteinheims sozial schwächer Gestellte, der Stadtkasse fehlte es an Geld für Baumaßnahmen – auch ein Glücksgriff, denn „Armut ist der beste Denkmalschützer“: So konnte das Bild der Altstadt nicht durch Baumaßnahmen beeinträchtigt werden.
Das Kriegerdenkmal, das heute in der Pfaffenbrunnen-Straße steht, wurde anlässlich des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 errichtet. Sein ursprünglicher Platz befand sich an der Bushaltestelle „Fritz-Erler-Straße“, die deswegen zuvor „Zum Denkmal“ hieß. Zur Einweihung 1896 kamen über 8000 (achttausend!) Personen (Kinder nicht mitgerechtet) auf die Festwiesen.
Eine Kuriosität erfuhren die Interessenten am Ende der Führung: Das Schwesternhaus, in dem heute der Kindergarten St. Nikolaus untergebracht ist, gehörte bis 1949 der Stadt, das Rathaus aber der Pfarrgemeinde. In dem besagten Jahr tauschten beide Institutionen ihre Häuser miteinander.
Wieder an der St. Nikolaus-Kirche angekommen, bedanken sich Herr Dr. Maaser und Herr Kemmerer bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das große Interesse. Diese Führung sei ein Experiment gewesen, das bei einem Erfolg mit thematischen Schwerpunkten wiederholt werden könnte.
Herr Pfr. Suerbaum dankte im Namen der Pfarrgemeinde den beiden Vertretern des Heimat- und Geschichtsvereins für die gute Zusammenarbeit während des Jubiläumsjahres.
Für die Führung hatten die Veranstalter auf schlechteres Wetter gehofft – damit es eine Woche später zur das Jubiläumsjahr abschließenden Herbstwallfahrt umso schöner werde.
Im Anschluss waren die Teilnehmer zu Kaffee und Kuchen in das Kirchencafé im Pfarrhaus eingeladen.


Ein herzliches Vergelt´s Gott sagen wir unseren beiden Dorfführern, die uns das Erscheinungsbild des Dorfes Steinheim über einen Zeitraum von fast 500 Jahren nahegebracht und so zu einer besseren Kenntnis unseres Heimat- und Wohnortes beigetragen haben!

Wir konnten das Bekannte auffrischen und Neues dazulernen.
Wir freuen uns mit Ihnen über den überwältigenden Zuspruch
und freuen uns schon sehr auf angedachten weiteren Führungen!

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